Design Thinking - eine berufliche Plattform für mutige Veränderer

In loser Folge möchte ich in meinem Blog neue Berufe und neue Tätigkeitsfelder vorstellen. Damit möchte ich einen Kontrapunkt setzen zu einer arbeitsmarktpolitischen Debatte, die oftmals auf negative Schlagworte der VUKA Arbeitswelt reduziert wird, wie digitale Erschöpfung oder auch Volatilität, also die wachsende Unbeständigkeit von Arbeitsverhältnissen.

 

Gleichzeitig jedoch gibt es in der Arbeits- und Berufswelt  auch positive Veränderungen.  Zu ihnen gehört beispielsweise, dass immer wieder neue Berufe und mit ihnen neue Tätigkeitsfelder entstehen, die natürlich auch im Rahmen einer beruflichen

 

Neuorientierung wertvolle Ansatzpunkte bieten können. Ein Beispiel ist Design Thinking, das sich aus dem klassischen Projektmanagement entwickelt hat und das mittlerweile von so bekannten Unternehmen wie Siemens, der Deutschen Bahn, aber auch von weniger bekannten NGOs erfolgreich angewandt wird.

  

Design Thinking ist eine Innovationsmethode, mit der kreative Lösungen für bestehende Probleme entwickelt werden. Die Lösungen müssen – und an dieser Stelle unterscheidet sich Design Thinking von der klassischen Methode des Projektmanagements – aus Anwendersicht überzeugend sein.  Eine neue Idee wird also erst dann umgesetzt, wenn die zukünftigen Nutzer die neue Idee auf ihre Tauglichkeit getestet und sie für gut befunden haben.

 

Design Thinking ist allerdings viel mehr als nur eine neue Methode. Denn in der praktischen Umsetzung steht und fällt Design Thinking mit der richtigen Haltung aller kreativen Köpfe, die an der Entwicklung der neuen Idee beteiligt sind:

  • Es können nur dann mutige, unkonventionelle oder wilde Ideen entwickelt werden, wenn es eine positive Fehlerkultur gibt, wenn also auch Scheitern erlaubt ist.
  • Neue Ideen brauchen einen geschützten Raum, in dem sie entwickelt werden können – deswegen ist eine frühzeitige Kritik am Neuen fehl am Platz.

  • Nichts befördert die Entwicklung von neuen Ideen so sehr wie der Austausch mit anderen, die an dem kreativen Entwicklungsprozess beteiligt sind. Der kreative Design Thinking Prozess steht und fällt daher auch mit dem Vertrauen in die Schwarmintelligenz.
  • Die Welt als eine Welt voller möglicher Innovationen zu sehen, bedeutet auch, sich selbst und andere mit allen Stärken und Schwächen zu sehen. Nur so können auch Probleme in ihrer Ganzheit gesehen, verstanden und schließlich auch gelöst werden.

Design Thinking bietet damit eine ideale Grundlage, um neue Ideen, Produkte oder auch Zukunftsszenarien zu entwickeln. Den Anwendungsfeldern von Design Thinking sind somit keine Grenzen gesetzt: Es kann für die Organisationsentwicklung, eine Verbesserung von Führungskompetenz, für die Entwicklung von Teams oder für die Lösung jedes nur vorstellbaren Problems genutzt werden. So hat die S-Bahn Hamburg GmbH bspw. jüngst einen Design Thinking Prozess initiiert, um eines ihrer zentralen Probleme –  den Mangel an Lokführern – dauerhaft in den Griff zu bekommen. Ein weiteres Beispiel: Eine Projektgruppe der School of Design Thinking hat eine App entwickelt, die mit einem Coupon-System verknüpft ist, um Tagesbesuchern der Stadt Lübben neue und attraktive Tourismuserlebnisse zu ermöglichen.

  

Was an den beiden Praxisbeispielen sehr schön ablesbar ist: Es gibt nicht die eine fachliche Qualifikation, die zu Design Thinking als beruflichem Tätigkeitsfeld führt. Vielmehr führen viele Wege nach Rom, auch ein Quereinstieg ist durchaus denkbar.